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Die Ethik hat im Denken Alberts des Großen eine besondere Bedeutung: So verfaßte er bereits vor der Übersetzung der Nikomachischen Ethik ins Lateinische (ca. 1250) ethische Traktate; die Nikomachische Ethik ist die einzige Schrift des
Aristoteles, die er zweimal kommentiert hat. Die Arbeit zeigt erstmals am Beispiel der Tugendlehre, wie Albert seine Ethik unter dem Einfluß der Nikomachischen Ethik entscheidend ändert und nun radikal Aristotelische Positionen vertritt, die er
in seinen vor 1250 geschriebenen Traktaten noch nicht kannte. Die Arbeit zeigt zudem, daß er diese Positionen in all seinen späteren Schriften nicht mehr aufgegeben hat. Ulrich von Straßburg gilt in der Philosophiegeschichtsschreibung
meist als ein Philosoph, der die neuplatonischen Aspekte der Philosophie Alberts des Großen weiterentwickelt hat. Die Arbeit zeigt jedoch anhand der Erstedition des Tugendtraktates (die gesondert publiziert werden soll) von Ulrichs Hauptwerk De
summo bono, daß er sich in seiner Ethik nahezu ausschließlich an der Philosophie des Aristoteles orientiert und daher keineswegs einseitig als Neuplatoniker gesehen werden darf.
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