|
Sowohl Montaignes Essais, schwerpunktmäßig die Apologie de Raimond Sebond, als auch Shakespeares Theater, insbesondere die ab 1600 entstandenen Dramen, sind von einer stetigen Skepsis bezüglich der Zuverlässigkeit der
sinnlichen Wahrnehmung, der Vernunft und generell der Erkenntnis gekennzeichnet, die wie in der antiken Philosophie zu einer relativistischen Weltanschauung führt. Die hiermit von den antiken Skeptikern verbundene Aufforderung zur radikalen
Urteilsenthaltung lassen beide Autoren allerdings nur für die theoretische Welterkenntnis gelten, während sie der praktischen Vernunft als Entscheidungs- und Urteilsgrundlage eine durchaus sinnvolle Funktion im lebensweltlichen Bereich
einräumen. In der Konsequenz führt die Fragwürdigkeit aller Erkenntnis bei Montaigne zur fideistischen Stärkung des katholischen Glaubens und der Bestätigung der bestehenden Ordnung, bei Shakespeare zumindest ansatzweise zur
subtilen Infragestellung traditioneller Ordnungssysteme.
|